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November 4, 2008

Was ist Wirklichkeit in diesem Spiegelkabinett?

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Diese von Mr Pilks stammende Frage passt wie die Faust aufs Auge zu dem Stück „Four rooms“, das die Gruppe theatralia am vergangenen Wochenende in Anlehnung an den gleichnamigen Film erneut auf der Studiobühne des MZ der Ruhr-Uni Bochum vor gut 90 Zuschauern präsentierte.

Den ersten positiven Eindruck hinterlässt das klar strukturierte Bühnenbild: Zentrum und verbindendes Element zwischen den Räumen und dem Publikum ist der Empfang mit dem Pagen Ted, hervorragend gespielt von Lukas Swiatek. Wände und Böden der Hotelzimmer sind in weiß gehalten, sonstige Bühnenausstattung minimalistisch. Man bekommt den Eindruck einer Arztpraxis oder eines Krankenhaus. Wenn nicht sogar einer Irrenanstalt, wo wir wieder bei Henry Pilks wären…

Dieser arme Ted, der in einer Silvesternacht seine erste Nachtschicht allein als Page in dem Hotel Mon Signor überstehen muss und bei der der Zuschauer ihm “über die Schulter” schaut, fühlt sich sicherlich wie in selbiger. Doch es gibt etwas, das ihn davon überzeugen kann, die abstrusesten Dinge zu tun: Geld. Wer genug davon hat, dem erfüllt Ted aber auch wirklich jeden Wunsch, angefangen dabei, dass er sein Ejakulat für einen Gegenfluch auf die Göttin Diana hergibt. Das jedoch ist nach seiner eigenen Aussage noch das Schönste was ihm an diesem Abend passiert. Danach gerät er in das Zimmer eines völlig übergeschnappten Pärchens, er (herausragend: Georg Thomys) hält Ted eine Waffe an den Kopf und fordert, dass dieser sich entschuldigt mit seiner Frau „gevögelt“ zu haben und sie beteuert zum Schluss auch noch zu dessem Entsetzen mit Ted geschlafen zu haben. Schlussendlich haben sich die beiden aus unerfindlichen Gründen (für Ted und das Publikum) dann aber doch wieder lieb und Ted kann seiner nächsten Aufgabe, Kinder hüten, lebend entgegen treten.

Die zwei Blagen, auf die Ted nun wirklich gar keine Lust hat, sehr lebendig und überzeugend gespielt von Timo Knop und Alina Stöteknuel, trinken nicht nur aus der Minibar, sondern finden außerdem auch noch eine Leiche unter dem Bett, die Ted dann doch endlich mal dazu bewegen kann seine vier Buchstaben auf das Zimmer der ihm anvertrauten Kinder zu bewegen.

Das grandiose Finale findet dann auf dem Zimmer eines Regisseurs, überragend dargestellt durch Nils Findling, statt. Hier trifft Ted zu seinem ersten Entsetzen erneut auf die Frau des verrückten Pistolenschwingers und soll dann als Scharfrichter bei einer absurden Wette dem Freund des Regisseurs einen Finger abhaken. Alles nur eine Frage der richtigen Bezahlung, für 1000 Dollar ist sich Ted auch dafür nicht zu schade.

Das Regiequartett, bestehend aus Nils Findling, Alina Stöteknuel, Anna Perkovic und Susanne Oswald, hat ganze Arbeit bei der Erstellung eines kurzweiligen Abends bewiesen.

Man darf also gespannt sein, was theatralia im Januar nächsten Jahres mit ihrem Folgeprojekt „Drei Schwestern“ bieten wird.

PaSch